Begeisterungsstürme für „Linie 2 – der Alptraum“

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Langeweile sieht anders aus: Vor ausverkauftem Haus feierte die ACTivity-AG des Vechtaer Gymnasium Antonianum am Samstag die Premiere ihres neuen Musicals „Linie 2 – der Alptraum“ aus der Feder von Volker Ludwig und Rüdiger Wandel. Mit Tempo, Witz und einer gehörigen Portion Berliner Charme begeisterten die Schülerinnen und Schüler das Publikum bis zur letzten Minute. Dabei ist die Geschichte, die sie erzählen, auf den ersten Blick ganz schön verwirrend, denn es handelt sich um ein Theaterstück, das als Hommage an ein anderes Stück gedacht ist: Vor acht Jahren, im März 2004, brachte die schauspielverrückte Truppe bereits „Linie 1“, den Klassiker des Berliner GRIPS Theaters, auf die Bretter der schuleigenen Aula. Dieses Stück war in der Region ein Riesenerfolg und so wundert es kaum, dass die Schüler-AG unter der Leitung von Annelie Bocklage sich nun mit ebenso viel Elan dessen Nachfolger vorgeknöpft hat. Die Story ist folgende:

Der Protagonist Thomas Kowalewski (kurz Tommy) ist Schauspieler am GRIPS und spielt seit vielen Jahren den „Jungen im Mantel“ im Stück „Linie 1“. Leider weist sein Bühnen-Alter Ego beunruhigend viele Parallelen zum tatsächlichen Tommy und seinem Leben auf: Ständig unglücklich verliebt, notorisch pleite, zu nett für diese Welt und vom Chaos verfolgt, sieht er dabei zu, wie das eigene Leben an ihm vorbei rauscht. Und so ist es kein Wunder, dass Tommy bald nicht mehr zwischen Theater und Wirklichkeit unterscheiden kann. Als er hört, dass es am GRIPS auch noch ein neues Stück namens „Linie 2“ geben soll, glaubt er vollends verrückt zu werden – was für ein Alptraum! Doch zum Glück gibt es Hedi, die pragmatische Rentnerin aus der Wohnung unter ihm, die Tommy ein ums andere Mal auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Und es gibt da noch Gül, für die Tommy heimlich schwärmt. Die selbstbewusste Deutschtürkin arbeitet im Frisörsalon, will aber unbedingt Schauspielerin werden und findet den Kowalewski völlig bescheuert. Blöd nur, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzen: in beider Stammkneipe Wladiwoodstock, an der Strandbar „U2“ oder in der U-Bahn. Und überall begegnen ihnen und dem Zuschauer Figuren, die, mehr oder weniger verrückt, auf ihre Weise das Leben meistern – Ossis und Wessis, Alt-68er und Bänker, Kindergartenkinder, Illegale, Hausfrauen und Schlägertypen. Das Ende der Geschichte ist selbstverständlich ein glückliches, und trotz zweier blauer Augen darf herzlich gelacht werden.

Die Schülerinnen und Schüler der ACTivity-AG begeisterten ihr Premierenpublikum durch Spielfreude und Einfühlungsvermögen und wussten die vielen Pointen des Stücks gekonnt in Szene zu setzen. Zum Schreien komisch! Fetzige und ohrwurmtaugliche Musik mit intensiven Soli und raffiniert arrangierten Chorstücken, einstudiert von Chorleiter Hendrik Tepe und begleitet von einer tollen Band unter der Leitung von Rainer Wördemann (Kreismusikschule Vechta) verleiht dem Stück zusätzlichen Pfiff; kreative tänzerische Einlagen (Choreographie: Steffi Vornhusen, Tanzstudio „in motion“) und ein anspruchsvolles Bühnenbild (Thilo Seibert, Alexander Engelmann) sorgen für den letzten Schliff. Als am Samstagabend nach der zweiten Zugabe schließlich der Vorhang fiel, brach nicht nur das Publikum in Jubel aus. Auch die Schauspieler und ihr Regie-Team, bestehend aus Annelie Bocklage und Katrin Gerdes, durften sich über ihren Erfolg freuen. Prädikat: Absolut sehenswert!

Katrin Gerdes 

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