Flüchtlinge am Antonianum an der Werkbank – Vorbereitung auf die berufliche Weiterbildung nach der Schulzeit

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Einen Schultag ganz anderer Art erlebten 13 Flüchtlinge aus der Sprachlernklasse 1 am Antonianum: Statt Vokabeln und Grammatik in Deutsch zu lernen, wurden Schrauben gedreht, Drähte gebogen, aus Holz gefeilt, Muster aus Papier geschnitten, Spiegelbilder gezeichnet, PC – Telefon nach Anweisungen am PC programmiert. Die Schüler unterzogen sich auf diese Weise einem handwerklichen Eignungstest, dem sog. Hamet-Test.

Berufliche Basiskompetenzen wurden getestet: Routine und Tempo, Werkzeugeinsatz und –steuerung, Wahrnehmung und Symmetrie, Instruktionsverständnis und –umsetzung, Messgenauigkeit und Präzision. Auch das Arbeitsverhalten wie Antrieb, Auffassungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Flexibilität, Ausdauer, Sorgfalt usw. wurden von drei Prüfern genau beobachtet und festgehalten. Sakhi Roya sagt hinterher: „Der Computer-Test und mit Eisen zu arbeiten haben mir Spaß gemacht. Das möchte ich lernen, weil es in Zukunft mein Job ist.“

Die meisten Flüchtlinge haben nach über einem Jahr Sprach- und Fachunterricht ihre Schulpflicht erfüllt. Nicht nur sie, auch die Lehrer fragten: Wie geht es nun weiter? Frau von Wahlde, Koordinatorin am Gymnasium Antonianum Vechta, organisierte  in Zusammenarbeit mit dem Pro-Aktiv-Center des Landkreises Vechta unter Federführung von Herrn Beerman und Frau Meyer  vom Caritas-Sozialwerk diesen Hamet-Test, um den Flüchtlingen neue berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Diese wurden in einem  detaillierten Auswertungsgespräch mit den Schülern besprochen. Die ermittelten Normwerte „Qualität des erstellten Produkts“ und „benötigte Zeit“ wurden verglichen mit den Durchschnittswerten eines Hauptschülers und Berufsschuleinmünders. Die Flüchtlinge äußerten eigene Berufswünsche, die mit den tatsächlich erreichten Testergebnissen abgeglichen werden konnten.

Am Ende des Schuljahres stehen für alle außerdem Sprachprüfungen in Deutsch an. Auf dieser Grundlage erhalten die Flüchtlinge das Angebot, ab dem Schuljahr 2017/18 eine Berufsvorbereitungsklasse oder eine Berufseinstiegsklasse an den berufsbildenden Schulen zu besuchen, um sprachlich weiter gefördert zu werden und einen Hauptschulabschluss zu erwerben. Ziel ist, sie an der Adolf-Kolping-Schule Lohne, an den Handelslehranstalten Lohne und an der Justus-von-Liebig-Schule Vechta für eine berufliche Ausbildung zu qualifizieren. Nichtsdestotrotz werden einige auch ohne Ausbildung und Abschluss dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

 

Maria von Wahlde

 

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