Theaterbesuch in Oldenburg

  • terror

Darf der Staat seine Bürger töten, um andere Bürger zu retten? Darf ein Menschenleben gegen ein anderes abgewogen werden? Darf man einen Menschen für die Rettung von zehn Menschen opfern oder erst für hundert? Oder hat man gar mit dem Kauf des Flugtickets eingewilligt, im Ernstfall abgeschossen zu werden?

Welche Rolle spielt unsere Verfassung im Extremfall? Darf ich mich aufgrund meiner moralischen Auffassung in einer Ausnahmesituation über sie hinwegsetzen? Und: habe ich dann die Konsequenzen zu tragen?

Der Fall des Abschusses einer entführten Passagiermaschine, mittlerweile ein Klassiker des Ethik-unterrichts, wird im Theaterstück „Terror“ in der fiktiven Gerichtsverhandlung gegen einen Kampfjetpiloten, der gegen seinen Befehl die Initiative ergriffen und (in der Fiktion des Stücks) das entführte Flugzeug eigenmächtig in letzter Sekunde abgeschossen hat, ehe es in ein voll besetztes Fußballstadion stürzt, von allen Seiten beleuchtet und diskutiert.

Interessierte Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 - 12 nahmen die Gelegenheit wahr und wurden in der Vorstellung im Oldenburgischen Staatstheater selbst zum Richter: das Urteil fällte am Ende das Publikum. Zwar wurde der Angeklagte von diesem Publikum frei gesprochen, doch war die Meinung innerhalb der Schülerschaft keineswegs einhellig, sodass auf der Rückfahrt intensiv weiterdiskutiert werden konnte. Die zahlreiche Teilnahme auch der Abiturienten zeigt, dass die Wertediskussion in unserer Schülerschaft lebendig ist: vielleicht das schönste Fazit des insgesamt sehr gelungenen, sommerlichen Theaterabends.

Alexandra Meinen-Noltmann

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