Geschichte zum Anfassen: Zeitzeuge Werner Kolhoff berichtet vom Mauerfall 1989

 

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Der Journalist Werner Kolhoff, gebürtiger Lohner, ging nach seinem Abitur am Gymnasium Antonianum Vechta 1974 nach Berlin, um Publizistik zu studieren. Auf Einladung von OStR Reinemann besuchte er jetzt seine alte Schule, um den Schülerinnen und Schülern des 11. Jahrgangs seine Erfahrungen im Zuge der Wende 1989 näherzubringen.

Im Wendejahr war Kolhoff Senatssprecher unter dem damaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper (SPD). Somit war er hautnah an den Geschehnissen in Berlin im Herbst 1989. Genau diese Nähe als beteiligter Zeitzeuge vermittelte er seinen jungen Zuhörern in einem sehr persönlichen, auch emotionalen Vortrag. Zentral in seinem Vortrag war der 9. November – die Öffnung der Mauer. Hier verdeutlichte Kolhoff, dass Geschichte häufig von Personen, auch von Missverständnissen geprägt wird.

So sei die dann am späten Abend des 9. November unter dem Druck der Straße erfolgte Öffnung der Grenzübergänge nicht auf eine politische Entscheidung der DDR-Führung zurückzuführen gewesen, sondern auf ein Missverständnis bezüglich einer geplanten Reiseregelung für DDR-Bürger. Auf der mittlerweile historischen Pressekonferenz beantwortete Politbüromitglied  Günter Schabowski die Frage eines Journalisten, ab wann die geplante Reisefreiheit gelten solle, nach einigem Zögern mit: „Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich.“ Die Außenwirkung dieser Mitteilung – die DDR-Bürger saßen ja vor den Fernsehgeräten – habe dann eine Lawine in Gang gesetzt, sodass die überforderten Grenzschützer am späten Abend die Schlagbäume öffneten, auch ohne Befehl oder Anweisung.

Kurt Reinemann

 

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