Frau Dr. Modest vermittelt eindrucksvolle Einblicke in kosmologische Forschung

  • Akademieabend_2015

 „Vom Vechtaer Nachthimmel zu den kosmologischen Ursprüngen“

„Baby-Brei und Big Bang Theorie“

Unterschiedliche Titelvorschläge für den Vortrag von Frau Dr. Heike Modest, Abiturientin des Jahres 2002, kursierten zwischen Schulleiter Peter Rörsch und seinem Ehrengast durch die unendlichen Weiten des www. Diese Formulierungen umreißen exakt die inhaltlichen Schwerpunkte des diesjährigen Gastvortrags im Rahmen unseres Öffentlichen Akademieabends.

 Die Ursache für das außergewöhnliche Interesse der Referentin liegt in dem imposanten Sternenhimmel über ihrem Heimathof in Lutten begründet. Schon als Kind löcherte Frau Dr. Modest, die erst vor Kurzem ihr Rigorosum am Max Planck Institut für Extraterrestrische Physik mit der Bestnote „summa cum laude“ abgeschlossen hatte, ihre Eltern mit Fragen zur Entstehung des Kosmos. „Ich wollte es einfach wissen!“. Diese Wissbegierde und ihre persönliches Engagement führten dazu, dass sie ihr schulisches Betriebspraktikum fern der Heimat an der Universität Bonn in der Fachgruppe Physik/Astronomie absolvierte. Ihre Eindrücke an der Sternwarte Hoher List und am Radioteleskop Effelsberg bestärkten ihren Wunsch, ihr Hobby zum Beruf zu machen ebenso, wie die vielen positiven Erfahrungen in der von Norbert Stahr geleiteten Astronomie-AG am Antonianum. Angesichts dieser Prämissen verwunderte es niemanden, dass die Referentin an der Technischen Universität Berlin ein Physikstudium begann und dieses mit ihrer Diplomarbeit am Astrophysikalischen Institut in Potsdam erfolgreich abschloss. Natürlich nicht ohne ein Praktikum am weltberühmten Space Telescope Science Institute in Baltimore, wo sie Aufnahmen des legendären Hubble-Weltraumteleskops auswerten durfte! Anschließend promovierte sie am Max-Planck Institut für Extraterrestrische Physik in Garching bei München.

Während dieser Zeit wurden ihre beiden Kinder geboren. Besondere Anstrengungen waren erforderlich, um wissenschaftliche Karriere und Familie in Einklang zu bringen. „Seid nicht so zimperlich. Setzt euch durch. Steht nicht so viel vorm Spiegel!“, so die Worte von Christiane Nüsslein-Volhard, Nobelpreisträgerin von 1995 und Vorsitzende der Stiftung zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen mit Kind.

Wie sie diese besonderen Herausforderungen durch außergewöhnliches Engagement,  geschickten Einsatz von Fördergeldern und eine gute Portion Kreativität bewältigte, beschrieb Frau Dr. Modest in sehr authentischer, erfrischend humorvoller Weise. Garniert mit vielen Fotos, die ihre ganz persönlichen Lösungsansätze anschaulich dokumentierten. Besonders hervorzuheben sind hier die Nutzung des UNESCO-L`ORÈAL-Förderprogramms und die Implementierung eines Eltern-Kind-Büros am Max-Planck-Institut in Garching. Ein vorbildliches Beispiel, das ähnlich ambitionierten jungen Frauen Mut zur Nachahmung machen sollte!

Der zweite inhaltliche Schwerpunkt dieses Abends erschien zunächst für Normalsterbliche schwer verdaulich. In ihrer Doktorarbeit befasste sich Frau Dr. Modest mit der Analyse von kosmischer Mikrowellenhintergrundstrahlung aus der Entstehungsphase unseres Universums! Aber auch hier bewies die Referentin viel Geschick und, so Herr Rörsch in seinen abschließenden Worten, außergewöhnliches Talent, komplexe wissenschaftliche Inhalte didaktisch so zu reduzieren, dass auch „Physik-Laien“ einen Einblick in ihr Forschungsgebiet gewinnen konnten. Sie lieferte zunächst einen kurzen, anschaulichen Überblick über die Entstehung  des Kosmos vor 13,8 Milliarden Jahren und die anschließenden Entwicklungsstadien bis heute. Anschließend fesselte sie die Anwesenden mit vielen Fotos des Hubble-Teleskops und des Planck-Satelliten. Angesichts der spektakulären Bilder und der unfassbaren Dimensionen machte so manches Aaahhh und Ooohhh die Runde, die Faszination der Referentin für diese Thematik wurde allmählich nachvollziehbar. Vollkommen für sich eingenommen hatte sie das Publikum, als sie in völlig ungezwungener Weise herausstellte, dass auch die Fachwissenschaftler die Entstehung unseres Universums nur ansatzweise erklären können (zu ca. 5%), der Rest wird den wenig fassbaren Faktoren „Schwarze Materie“ und „Schwarze Energie“ zugeordnet.

Um Licht in dieses Dunkel zu bringen, bedienen sich die Astrophysiker häufig folgender Vorgehensweise: Beobachtung – Spekulation – Simulation – Rückführung auf die Beobachtung mit anschließender Auswertung. Diesen Ansatz verfolgte auch die Forschungsarbeit der Referentin. Ausgehend von bekannten optischen Phänomenen entwickelte sie Programme (Software-Filter), um evtl. Phasenüberlagerungen aus den von den Weltraumteleskopen aufgenommenen Bildern herauszufiltern. Frau Dr. Modest überprüfte also, ob die optischen Gesetzmäßigkeiten auch für die Mikowellenhintergundstrahlung, welche den Zustand des Universums vor ungefähr 13 Milliarden Jahren darstellt,  Gültigkeit besitzen. Trotz zahlreicher Veränderungen der Algorithmen ihrer Filterprogramme stimmten die ermittelten Ergebnisse nicht mit den Hypothesen und Theorien überein. Es zeigten sich immer wieder Anomalien, die in bestimmten Bildbereichen auftraten (s. Foto). Trotz der vordergründig negativen Resultate stellen die Ergebnisse ihrer Arbeit wesentliche Kenntnisgewinne hinsichtlich der Erforschung der Entstehung unseres Universums dar.

 Viel Applaus erntete Frau Dr. Modest für ihren beeindruckenden Vortrag. Für die nachvollziehbare Darstellung wissenschaftlicher Erforschung von Phänomenen, die über die menschliche Vorstellungskraft hinausgehen. Für ihre besondere Fähigkeit, ihre eigene Begeisterung und Faszination für die Erforschung des Universums auf das Publikum übertragen. Für ihre ebenso authentische wie auch mutmachende Art, die Probleme bei der Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familie aufzuzeigen, vor allem aber zu lösen. Hier kann man nur konstatieren: „Die Nachahmung wird dringend empfohlen!“

P.S.: Entsprechende Ansätze zur Erklärung der festgestellten Anomalien lieferten unabhängig voneinander gleich zwei Kollegen in meiner unmittelbaren Sitznachbarschaft: „Das ist doch ganz offensichtlich! Das sind die Hände Gottes bei der Erschaffung des Universums!“ Angesichts der riesigen (schwarzen) Wissenslücken der Forscher doch eigentlich eine naheliegende Theorie, oder?! Weiterführende Ergebnisse zur Verifizierung dieser These sind doch garantiert einen Nobelpreis wert. Also, ihr Astro-Physiker, an die Arbeit!

 Jürgen Gronotte

 

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