Mystik und Politik – Christentum als Dienst an der Welt

 

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 Vortag von Monsignore Peter Kossen am Akademieabend 2014

Monsignore Peter Kossen, der am Antonianum 1988 sein Abitur ablegte, legte in seinem Vortrag ein beeindruckendes Zeugnis des christlichen Handelns für menschenwürdige Arbeits- und Lebensverhältnisse ab. In seinen biografischen Bezügen wurden wichtige Stationen seines Lebensweges deutlich. Als Schüler des Antonianum habe er viele positive Erfahrungen gesammelt, seien ihm neue Horizonte eröffnet worden. Auf seinem Weg zum priesterlichen Dienst sei er sich anfangs nicht sicher gewesen, aber immer wieder bestärkt worden.

Durchgängig verwies Prälat Kossen deutlich auf das Fundament des tätigen solidarischen Handelns von Christentum und Kirche. Neben der prophetischen Tradition und dem Zeugnis des Evangeliums zitierte er die Pastoralkonstitution des II. Vatikanum sowie die Prinzipien der katholischen Soziallehre. Die „Schule des Evangeliums“ und die „Schule des Lebens“ führe zu einem verpflichtenden Einsatz, wenn Menschen durch Missbrauch von Werkverträgen, Billiglöhne und kriminelle Praktiken ausgebeutet würden. Anschaulich verdeutlichte Monsignore Kossen die menschenunwürdige Situation, unter denen viele Arbeiter aus Rumänien und Bulgarien in der Region Südoldenburg arbeiten und leben.  Zugleich weitete er den Blick auf die Folgen der globalen Wettbewerbswirtschaft und  erinnerte an die Toten und Opfer der Textilindustrie in Bangladesch vor einem Jahr.

Fleiß, Innovation und unser Gemeinschaftsgefüge, worauf wir in Südoldenburg stolz seien, würde von Innen verrotten, wenn es uns nicht gelänge menschenwürdige  Arbeits- und Lebensbedingungen für alle zu garantieren. Gerechtigkeit in Arbeitsverhältnissen bedeute gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Der vereinbarte Mindestlohn in der Fleischindustrie stelle einen substantiellen Fortschritt dar, sei aber nicht ausreichend hinsichtlich der Verwirklichung von menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen für alle. Konkret schlug Prälat Kossen vor, ein Gütesiegel „Faire Arbeit“ einzuführen. Aber nicht nur die Politik sei in der Pflicht, auch wir als Verbraucher könnten und müssten durch unser Einkaufsverhalten auf eine nachhaltige Veränderung hinwirken. Durch die Bereitschaft, ein paar Cent mehr für ein Kilogramm Fleisch oder ein T-Shirt zu bezahlen, könne eine merkliche Verbesserung bei der  Entlohnung erreicht werden.

Die entschiedenen und überzeugenden Worte von Monsignore Kossen zeigten einen nachhaltigen Eindruck auf die Zuhörerinnen und Zuhörer, der in dem lang anhaltenden Applaus hörbar wurde.

Karl-Heinz Knake

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