Sammeln, was andere nicht sammeln

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Vortrag des Künstlerischen Direktors der Deutschen Kinemathek im Gymnasium Antonianum

 

 

Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen Berlin, sprach auf dem Öffentlichen Akademieabend am 13. Juni 2013 zum Thema „Filmkultur und Filmerbe in Deutschland – Entwicklungen und Herausforderungen“.

Rother, 1976 Abiturient des Gymnasium Antonianum, wusste die Zuhörer in der Aula der Schule mit seinem Vortrag in seinen Bann zu ziehen, weil er sein reiches Detailwissen immer anschaulich in einen größeren Zusammenhangstellen konnte. Was an Filmen überliefert ist, entstammt in ganz Europa allein der Initiative von Privatsammlern. Auch die Entstehung der Deutschen Kinemathek geht auf eine solche Privatinitiative zurück. Der Regisseur Gerhard Lamprecht sammelte jahrzehntelang Filme, Dokumente und Apparaturen. Seine Sammlung wurde vom Land Berlin aufgekauft und der 1963 gegründeten Deutschen Kinemathek zur Bewahrung und Nutzung übergeben. Gründungsdirektor wurde besagter Gerhard Lamprecht. Lamprecht hatte als Privatmann die Filme gesammelt, die andere nicht sammelten, Filme, die für ihn kulturelle Bedeutung hatten.

Diesem Ziel fühlt sich die Kinemathek unter ihrem künstlerischen Leiter Rother noch heute verpflichtet. Sie archiviert mit Hinblick auf die kulturelle Bedeutsamkeit das, was mit der Geschichte und der Technik des Films, des Kinos und zum Teil auch des Fernsehens verbunden ist: Filmplakate, Fotos, Drehbücher und andere Dokumente. Schwerpunkt des Bestandes ist der Avantgarde-, Experimental- und Dokumentarfilm. Rother wies darauf hin, dass aus manchen Filmepochen bis zu 70% der Filme heute verloren sind. Die Beschichtung des Filmmaterials war in den frühen Filmepochen silberhaltig. War ein Film nicht mehr gefragt, konnte man das Silber noch zu Geld machen. In den Zeiten des Filmverleihs herrschen lediglich finanzielle Interessen vor. Die Kinos müssen die geliehenen Filme wieder zurückgeben bzw. vernichten. Und auf ein weiteres Problem wies Rother hin: Die Filmtechnik schreitet voran. Die Zeiten des 35-mm-Films nähern sich ihrem Ende. Heute werden Filme in digitaler Form erstellt und in den Kinos digital wiedergegeben; d. h. moderne Kinos können die 35-mm-Filme nicht mehr zeigen. Für die Kinemathek ist diese Neuerung ein Problem, denn Filme digitalisiert für die nächsten Jahrzehnte zu archivieren, verursacht sehr hohe Kosten. Das Publikum, darunter viele ehemalige Klassenkameraden Rothers, zeigte großes Interesse am Thema. Das bewiesen die vielen Fragen, die nach dem Vortrag gestellt wurden und auf die der Referent keine Antwort schuldig blieb.

 

Gerd Kramer

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