Europaabgeordneter Matthias Groote zum 15. Jahrestag der Europaschule am Antonianum

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Plädoyer für eine europäische Wirtschafts- und Energiepolitik

 

Im Rahmen des Europatages am Gymnasium Antonianum war der SPD-Europaabgeordnete Matthias Groote zu Gast. Vor Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klassen ging der Vorsitzende des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments in seinem Referat auf den Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre und die Auswirkungen auf Europa und Deutschland ein. Dabei betonte er, dass es uns als Exportnation Nr. 1 in der EU nicht gleichgültig sein könne, wenn Mitgliedsstaaten der EU in Schwierigkeiten gerieten. Zum einen sei die EU ein Markt für deutsche Produzenten, zum anderen gäben Entwicklungen in Ländern, die nicht so gut aus der Krise herausgekommen seien wie Deutschland, durchaus Anlass zur Besorgnis. Wenn beispielsweise in Spanien jeder zweite junge Mensch arbeitslos sei, könne dies zu einer ernsten Bedrohung der Demokratie werden.

Als Fachmann für Energie- und Umweltfragen stellte er dann heraus, dass es großer Anstrengungen in den Industrienationen bedürfe, um den Wohlstand zu erhalten. Eine wachsende Weltbevölkerung – bis 2050 werde diese auf 9 Mrd. steigen –generiere einen höheren Energiebedarf, der nicht auf herkömmliche Weise gedeckt werden könne, wenn es nicht zur Beschleunigung des Klimawandels kommen solle. Europa könne nur gemeinsam auf intelligente Lösungen setzen, auch um der Gewichtsverlagerung der globalen Wirtschaft auf Länder wie China, Indien und Brasilien Rechnung zu tragen.

 

Die Energiepolitik spielte dann auch in den Nachfragen der Schülerinnen eine zentrale Rolle. Dabei betonte Groote, dass es bei der Umsetzung des Gesetzes zu den erneuerbaren Energien (EEG) eine Balance geben müsse. „Wenn die Preise wegen der Umsetzung des EEG-zu stark ansteigen, schwindet die Akzeptanz der Energiewende,“ so Groote. Im Übrigen könne die Energiewende nur im Konsens, am besten europäisch, gelingen. Eine Rückkehr zur Atompolitik könne es aber nicht geben. Hier verwies er sowohl auf die ungelöste Atommüllproblematik – es gebe weltweit noch kein einziges Endlager – als auch auf die Tatsache, dass sich Kernenergienutzung langfristig auch betriebswirtschaftlich nicht mehr rechne. Die gelte erst recht dann, wenn man die volkswirtschaftlichen Kosten auf die Produktion umrechne. Neben der Einsparung von Energie müsse es um die Förderung einer gesunden Mischung erneuerbarer Energien gehen. Hier werde die Europäische Union mittelfristig jeden fünften Euro investieren. Groote machte den Schülerinnen und Schülern klar, dass sie gefordert seien, hier die Zukunft anzupacken, z.B. als Ingenieure.

 

Kurt Reinemann

 

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