Eike Wahls: Bleibst du zurück?

„Nur die eine Richtung zählt. Nur das eine kann das richtige sein. Es gibt keinen Pluralismus“. Wenngleich sich in der Tat alles damit erklären lässt, bleibst du stur. Während alle vorangehen, läufst du im Kreis und bleibst damit zurück. Während sich alle mit Arbeit zuprosten, bleibst du sitzen. Du bist der Schmarotzer. Du bist der Querdenker. Du bist der Staatsfeind No. 00.000.001.
Darum schicken wir nette Mitschaumänner zu dir, die dir helfen werden, den Anschluss nicht zu verlieren. Ach komm schon, lass dich nicht an den Schultern herziehen, schau der Abstand wird größer. Die Männer sagen, du scheinst allein nach dem Verlust deines Studienplatzes? Och, wie schade, ohne uns werden die Bücher weiter schweigen, ohne uns bleibt die Milch entrahmt. Ohne uns wird die Tinte weiß; ohne uns bleibst du zurück.
Wir wissen, dass du neulich das falsche Kreuz gemacht hast, wir wissen deine Kritik an den Lecks zu schätzen. Doch du schaust nicht richtig. Was da produziert wird, muss besser sein als dein Dreck von drüben, sonst wäre ja die Wissenschaft falsch. Und du weißt doch, es gibt keinen Pluralismus, wir haben immä Recht. Und was machen wir ohne dich? Dann wird die Werkbank wieder werkeln, die Sonne eines jeden Tages aus dem Morgenland kommen und ihre gesamte Kraft und widmen. Erst am Ende stirbt sie auf der falschen Seite. Du verhinderst das nicht, hörst du? Ohne uns bleibst du zurück.
Wir wissen, dass deine Wurzeln durstig sind, drum trocknen wir sie aus. Fackeln wir dich ab, bekommst du Öffentlichkeit, sägen wir dich ab, könnte man dich verwerten und du würdest fast schon weiterleben. Das würdest du noch glauben wollen, ach, es gibt weder Pluralismus noch Opium fürs Volk mehr. Wir sind besser als deine Großväter, also erstrickst du entweder ohne Wurzeln in unserem Boden - wo du schon so lange schmarotzt hast, oder du lässt dich von uns umpflanzen. Triff deine Entscheidung: Bleibst du zurück?

Museum der Worte begeistert Publikum

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Überraschendes war bei dieser Veranstaltung im Rahmen des Vechtaer Bücherfrühlings angekündigt und Überraschendes erlebten die mehr als 30 Besucher der Lesung der Schreibwerkstatt des Gymnasiums auch bei ihrer Lesung im Museum im Zeughaus.

Keine aufgestellten Stuhlreihen, kein zentraler Leseort. Beim Eintritt in das Museum bekamen die Besucher vielmehr eine Schatzkarte in die Hand. Literarische Schätze galt es zu entdecken. Die Jugendlichen, die an mehreren Tagen im Museum geschrieben hatten, standen in verschiedenen Teilen des Hauses verteilt und lasen ihre Texte, wenn sich eine Besuchergruppe eingefunden hatte. Sie wurden Teil des Museums, vermittelten ihre Inspirationen zu Gegenständen und Atmosphäre des Hauses. Die Besucher hatten die Möglichkeit, mit den Autoren ins Gespräch zu kommen, nachzufragen, noch einmal zu hören, sei es im Fahrstuhl, in einer historischen Gefängniszelle, auf der Treppe oder vor einem historischen Gemälde.

Und das Publikum zeigte sich überrascht und begeistert von der Lesekonzeption - und vor allem von der Qualität der Texte. Ein vielfaches Dankeschön war Lohn für die jungen Akteure, die selber begeistert waren von der Situation.

Literatur im Museum, eine gute neue Chance für die schreibenden Jugendlichen, für ein Museum und für die Literatur.

(Text von Alfred Büngen, Geest-Verlag); für mehr Bilder vgl. auch:

http://www.geest-verlag.de/news/museum-der-worte-jugendliche-der-schreibwerkstatt-begeisterten-bei-ihrer-lesung-fuer-erwachsene

Austausch unter Autoren

ulf lesung

Lesung an der Liebfrauenschule

Auf Einladung von Herrn Eilers las die Schreibwerkstatt "Brücken zur Kultur" gestern gemeinsam mit der 9b der Liebfrauenschule Vechta aus den jeweiligen Texten. Ein lebhafter Austausch über die Texte selbst, aber vor allem über Schreibanlässe und -inspirationen folgte jeweils den Einzeltexten. Die Schülerinnen und Schüler der Schreibwerkstatt bekamen viele neue Anregungen für ihr Schreiben; vielleicht ist ja mal eine gemeinsame öffentliche Lesung der beiden Gruppen möglich.
Wir bedanken uns bei Herrn Eilers und seiner Klasse für die Möglichkeit,unseren Horizont zu erweitern, und auch natürlich für die freundliche Aufnahme!

Schreibwerkstatt auf Schreibexkursion

schreibexkursion

Im kreativen Prozess fanden sich Kinder und Jugendliche beim Schreibtag in der Grundschule Langförden zusammen.
Zwischen 15 Themen konnten die Kinder der vierten Klasse am 8. April ihre Schreibthemen auswählen. Und bei der Arbeit an den Themen standen die Kinder nicht allein da. Eltern, Lehrer und die Jugendlichen der Schreibwerkstatt des Gymnasiums standen ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung. Und es war bemerkenswert, wie die Kinder auf die Jugendlichen zugingen. Besonders genossen Sie es, den älteren Jugendlichen ihre geschriebenen Texte vorzulesen und mit ihnen über die geschriebenen Texte zu sprechen.

Ebenso bemerkenswert war die Art, wie die Schülerinnen und Schüler der Schreibwerkstatt mit den "Kleinen" gearbeitet haben; zum Teil haben sie auch Kinder, die sonst nie schreiben oder auch nur im Unterricht mitarbeiten, zum Kreativ-Sein bekommen.

Am Ende des Vormittags lasen erste SchülerInnen ihre Texte bereits einmal bei der Abschlussversammlung vor.

Schulleiterin Barbara Arlinghaus bedankte sich bei allen Beteiligten für einen ganz anderen Schulvormittag.

ELSE-Chor und Schreibwerkstatt in concert

schullesungplakat

Am Mittwoch,dem 21.April, stellt sich die neue Gruppe der Schreibwerkstatt erstmals in einer Lesung dem Publikum. Abwechselnd mit dem Gesang des ELSE-Chors werden die acht Mitglieder der Gruppe einige Texte lesen ... Fröhliches ... Trauriges ... Nachdenkliches ... von allem etwas wird dabei sein ... gesungen ... gelesen ... gedacht.
Die beiden Gruppen laden herzlich alle Musik- und Literaturfreunde ein. Beginn ist im 20.00 Uhr in der Mensa. Der Eintritt ist frei.

Svenja Bösing: 20.08.09

sie hört die Klingel
sie öffnet die Tür
sie hat den Jungen an der Hand
sie fühlt seine Wärme
sie sieht das Gesicht des Mannes
sie übernimmt das Geld
sie übergibt den Jungen
sie übersieht seine Angst
sie überhört seine Tränen
sie schließt die Tür

sie muss es tun

sie hört die beiden im Treppenhaus
sie weiß wann der Junge zurückkommt
sie kann machen was sie will
sie hat ihn geboren

-er ist ihr Sohn-

sie kniet vor sich selbst
sie zieht an ihrem Rock
sie überhört ihre Tränen - schon lange

Felix Lang: Picasso

Picasso, was machst du da? Ich frage dich, Picasso, was machst du da? Malst du da etwas, Picasso? Malst du etwas auf Papier oder Leinwand?
Ölst oder aquarellisierst du wieder durch die Gegend und verwirrst mich? Ich verstehe dich nicht.
Mein Goethe, was machst du da bloß?
Soll ich dir meine Buntstifte geben, lieber Picasso?
Damit kann man Mama Mia primadissima aus vollster Seele den Sinn des Seins simulierend viele kleine Vierecke und Kreise malen. Und Striche. Und viele kleine Hunde, die Menschen darstellen sollen. Und viele kleine Menschen, die Hunde darstellen sollen.
Lieber Picasso, mal doch mal was Malenswertes. Wie z.B. Kreise, die Kreise darstellen sollen.
Ich mag Kreise. Die haben keine Kanten, keine Voltaires und Rousseaus schon gar nicht!
Oder wie wär´s mit Würde? Die kannst du doch bestimmt malen, lieber Picasso. Mit dem Seinessinn hast du´s ja auch schon fast geschafft. Dann ist das doch ein schillerndes Kinderspiel für dich, du Kasanova.
Ach Picasso, du sagst so wenig. Stille Wasser sind Langweiler.
Mach mal den Mund auf, du Langweiler. Sonst geh ich jetzt und nehme meine Buntstifte mit, wenn du nichts mehr sagst. Ach Mann Picasso, sei doch mal spontan.
Du bist doof!
Dann spiel ich jetzt eben mit Kleist. Der kann zwar nicht malen, dafür weiß er aber, wie man einen Schnellschuss macht!

Laura Klatte: Nächte auf Ibiza

So stand er nun vor ihr. Wie Gott ihn schuf: groß, muskulös, braungebrannt. Seine langen schwarzen Locken rochen nach der Spanischen Sonne, als sich sein starker Oberkörper langsam zu ihr beugte.
„Oh Carlos!“ flüsterte sie geheimnisvoll, „ich kann gar nicht...“ Doch bevor sie den Satz beenden konnte, presste er leidenschaftlich seine Lippen auf die ihrigen. Die Lippen des Spaniers waren sanft und weich und als er sie wieder löste, konnte Petra kleine Schweißperlen der Erregung auf seiner Stirn erblicken.
Carlos’ Blick in die blauen Augen dieser blonden Schönheit war tief und voller Vorfreude auf das, was noch passieren könnte.
Er berührte sanft ihren linken Ellbogen, bevor er sie wieder mit großer Hingabe küsste. Langsam schob er dabei mit zitternder Hand den Träger ihres Oberteils herunter, bevor seine Zunge sanft die von Petra liebkoste.
Erhitzt und errötet von der Sehnsucht nach seinem Körper begann auch sie zu zittern, glühend vor Lust.
War es der Reiz des Verbotenen?
Die Gefahr, sie könne ihren Mann und Carlos seinen Job verlieren?
Schließlich war es Carlos als Golflehrer der spanischen Clubanlage untersagt, auch nur ein Treffen mit weiblichen Gästen einzugehen.
Doch all dies zählte jetzt nicht, nicht in diesem Moment, nicht zwischen den beiden.
Günther, Petras Mann, war derweil weit weg in Bayern und sie mit Carlos hier.
Als er sie mit einem kräftigen Griff an die Hüfte auf den Tisch setzte und ihr stürmisch das Shirt auszog, verlor Petra auch ihre allerletzten Zweifel und warf ihr schlechtes Gewissen zusammen mit ihrem Shirt in die letzte Ecke des kleinen Büros. Auf der Glasscheibe des Schreibtisches spiegelten sich durch das Fenster der Mond und das Sternbild des Orion: Genauso sah sie Carlos in diesem Moment, als starken Jäger, der sie geradezu mit Leidenschaft überflutete.

Livia Tönnies: Friedliche Stille

Friedliche Stille, fast schon beruhigend,
Doch sie ist bestimmt von Einsamkeit.
Die Silhouetten nackter Steine und akkurat gepflanzter Blumen,
Jeder hier Wohnende hat seinen Platz und Garten
Begrenzt von einem Gehweg und der Erde des Nachbarn.
Der Mond bescheint die welken Blätter eines Weidenbaumes,
Sein Licht erhellt die Dunkelheit.
Regen legt einen Schleier über die Welt,
Doch die Trauer hält schützend ihren Schirm über dich;
Während du dich auf den Weg machst,
Einen alten Freund zu besuchen,
Den du schon lange nicht mehr gesehen hast.

Lena Schnieders: ohne Titel

Anders sein als der Nachbar
Nachdenkendes Handeln, um nicht aufzufallen
Nachfolgende gezielte Wortwahl die den
Einsamen Sprecher in vermeintliches positives Licht stellt
Hochmütige Blicke einzelner
Merkmale der Selbstzweifel
Entkommen ist unmöglich
Namen die hallen im Geschwätz der Missgönner

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