Aus dem Buch: zweiter Text

Das zweite von den sechs Kapiteln der Anthologie "Aus schwangeren Laternen" (Erscheinungsdatum und Buchpremiere 15.2.) heißt

Nachtschatten

Der erste Text dieses Kapitels ist "Schneewittchen" von Anneke Hugenberg:

Dunkelrotes Blut.
Tropfen in weißem Schnee.
Aufgesaugt.
Roter Schnee.
Beinahe unschuldig liegen sie in lügendem Weiß. Machen es unglaubbar. Lügen zu offensichtlich, dass nichts unschuldig ist. Fußabdrücke zerstören die Unschuld, besudeln ach so weiße Laken. Mit grauem Schlamm aufs rote Weiß. Tötet es die letzte Farbe in weißer Watte. Wieder fängt es an zu schneien, wenige Minuten später ist alles verschwunden.
Neue Flocken
überdecken altes Blut
erfrieren neuen Schmerz.
Neues Blut
aus alten Wunden

Aus dem Buch: erster Text

Das erste von sechs Kapiteln der Anthologie "Aus schwangeren Laternen", die am 15.2. erscheint, heißt:

Im Silbertablett

Daraus nun ein Text:

Zuhause
Felix Lang

Du bist nicht grau, du bist nicht still, du bist kein Klischee.
Du hast viele Brüder, alle Gastgeber.
Jeder für dich einzigartig,
im Grunde aber seid ihr gleich.
Du wirst respektiert, nicht ausgelacht.
Jeder kennt dich, mancher fürchtet dich, und niemand genießt deine Gesellschaft.
Aber du wartest.
Du hasst es, zu warten, denn du weißt,
sie hadern nicht,
zögern nicht,
schinden Zeit.
Sie wollen dich nicht, aber du bist notwendig.
Es ist nicht deine Schuld. Es ist deine Art.
Ich bin froh, dass du bist, was du bist.
Du hast es dir nicht ausgesucht,
aber hättest du wählen können,
wärst du heute weniger bunt,
weniger mein zukünftiges Zuhause
und wäre keiner von dir ein Unikat.

Schreibwerkstatt bereitet Buch vor

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Drei Tage lang haben die Jugendlichen der Schreibwerkstatt des Antonianums in der Jugendherberge in Bad Zwischenahn getagt. Ziel war dabei die Zusammenstellung eines Buches mit ihren Texten, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind, und die Vorbereitung der Buchpremiere am 15. Februar. Dabei gelangen am ersten Tag schon ewichtige Ergebnisse.

So steht jetzt nach mehrstündiger Dískussion der Titel des Buches:

Aus schwangeren Laternen

Auch die Texte wuren bereits in sechs Kapitel eingeteilt. Am zweiten Tag ging es an die einzelnen Texte, da erklärtes Ziel ist, dass jeder der jugendlichen Autoren mit jedem Text des Buches einverstanden sein soll. Angesichts von zehn Autoren ein schwieriges Vorhaben, das aber einübt in demokratisches Textverstehen.

Olaf Bröcker und Alfred Büngen, die die Gruppe auf ihrem Wochenendseminar begleiten, waren wieder einmal begeistert von der Intensität der Arbeit der Jugendlichen und ihrer Toleranz untereinander.

Insgesamt etwa 140 Texte (siehe Bild) haben es nun ins Buch geschafft; jetzt steht die Planung der Buchpremiere am 15.2.2011 um 20.00 Uhr im Museum im Zeughaus an.

Intensives Arbeiten bei der redaktionellen Arbeit an der gemeinsamen Anthologie

Schreibwerkstatt in Berlin

berlin

berlin2


Ein tolles Erlebnis war für alle Beteiligten die Fahrt der Schreibwerkstatt des Gymnasiums Antonianum nach Berlin. Die Jugendlichen unter Leitung von Olaf Bröcker und Verlagsleiter Alfred Büngen fanden Unterkunft mitten in Kreuzberg in Räumen von 'freiraum' an der Wiener Straße. Drei Tage lang gab es in Berlin ein intensives Lesungs- und Besuchsprogramm, das dennoch genügend Platz für viele Gespräche bot.
Nach der Ankunft am Donnerstag und einem abendlichen Kennenlerngang durch Kreuzberg fanden gleich am Freitagmorgen die ersten Lesungen in der Evangelischen Schule in Berlin Mitte statt. Eine erste Lesung am Vormittag war der Begegnung mit Schülern der 10. Klasse gewidmet. Da sich diese begeistert von der Arbeit und den Texten zeigten, fand gleich noch ein gemeinsamer Schreibprozess statt, bei dem auch die Hörer mitschreiben und tolle Texte entstanden.
Im Mittagsbereich gab es dann auf der Vollversammlung der Schule eine zweite Lesung vor 300 Schülern. Eine spürbare Ergriffenheit der Schüler vom 6. bis 10. Schuljahr zeigte, dass die Mitglieder der Schreibwerkstatt die richtige Textauswahl getroffen hatten.
Der Nachmittag galt dann dem Besuch von Berlin Mitte: Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Unter den Linden; in diesen Tagen wegen der Terrorwarnung und dem Besuch von Putin alles hermetisch bewacht. Ein spätes Abendessen in einer Kreuzberger Pizzeria und lange Gespräche rundeten den erfolgreichen Tag ab.
Nicht weniger ereignisreich war der Samstag. Der Besuch in der Ausstellung der Topographie des Terrors verdeutlichte vielen noch einmal den Terror des Naziregimes. Der Nachmittag war dem Besuch von Kudamm und dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gewidmet, ehe am Abend eine Lesung zusammen mit dem Lyriker Dieter Wöhrle im Honigmond erfolgte. Nach endlosen Gesprächen kam schon der Rückreisetag.
Mit Eifer gehen die Jugendlichen nun an ihr nächstes Ziel: der Fertigstellung des eigenen Buches, das im Februar Premiere haben wird.

Lena Schnieders: Welterklärung

Dunkelheit und Enge umgeben alles im Raum und lähmen meine Lunge, die zu zerbrechen droht. Ich spucke, krampfe, krächze und bin gebannt vom Anblick dieser charmlos schönen Schlange, die mich schnürt und richtet. Mein altes „ich“ wird mir genommen, die Kälte all der Jahre, Schein, wie zerronnen.

Tiefer laufen des Blutes lange Schatten, neu in des Knechtes Rachen, der lechzend alles nimmt und sich nicht besinnt. Gezeichnet von dem dunklen Pakt, in dem er zu meinem Verdammten sich macht. Seinen Namen wird ein jeder bald vergessen, sobald die Gunst der Zufriedenheit ihn ereilt und er in der Sekunde vorm Zerfall begreift, was der Welt Rätsel ist. Dummer Mensch in seiner Pracht, die ihm Gott gemacht, kann nicht allein sehen und verstehen, was im Kern des Wissens steht, braucht mich, um zur Vollendung zu gelangen. Nutze Glanz und Gloria, um zu stehlen, was das Meine werden wird.

Sucht nach der Sehnsucht aller Fragen, komm zur Ruh, hör auf zu jagen. Hab nach zahlreichen Gestalten den einen gefunden, der die Macht vereint, nach der ich vergeblich rief!

Törichter Sohn des Adamsvolks, denkst an wunderbare Zeiten voller Zuversicht, doch glaube mir, die gibt es nicht! Du bist gefallen, kannst nie mehr zurück, werd dir alles nehmen zu meinem „Glück“. Einstigen Verlust der Macht vor Zeiten überwunden, stehe ich in neuem Glanz der Verführung unterbunden. Mein Name findet sich im Vergangenen – im Hier und Jetzt. Als Lakai eines Oberen entstanden, gefallen, neu geboren.

Kim Weißer: Die Erkenntnis

Die Sonnenstrahlen schwammen auf ihrem schwarzen Haar, ein goldenes Meer, das vom Sturm erschüttert wurde, als ihre Haarsträhnen in die Luft stiegen schwerelos, für wenige Augenblicke.
Der weiße Blitz, der durch ihr Hirn zuckte, flackerte durch ihren Körper und ebbte ab.
Das Kätzchen am Straßenrand legte den Kopf schief. Seltsames, großes Mensch. Warum rannte es auf den Weg, auf dem die falkenschnellen, brüllenden Herden stampften? Das war doch gefährlich.

Jana schlug die Augen auf. Der weiße Schmerz war verschwunden, hatte alles andere mit sich genommen. Ihre Glieder fühlten sich leicht, als sie sich aufsetzte. Sie blickte sich verwirrt um, die Katze, die am Seitenstreifen saß, sie hatte sie doch von der Landstraße tragen wollen, als, als...
„Als der Honda Prelude Baujahr 1999 kam“, beendete der Junge am Straßenrand ihre Gedanken.
„Was, wieso ist mir nichts passiert?“, stammelte Jana, und besah sich ihre Hände, glatt und rein.
„Du bist doch tot“, antwortete der Junge unbeeindruckt und rupfte ein paar Gräser vom Grünstreifen.
Jana schnappte nach Luft, erneut durchfuhr sie der Blitz, stach in ihrem Hals, schoss durch ihre Brust, bis in ihre Zehenspitzen, ließ ihre Finger krampfen.
Sie keuchte.
„WAS??“
Der Junge nickte und zerpflückte ein Gänseblümchen.
„Nein, nein ich, ich bin nicht tot, das siehst du doch, ich bin ja noch hier! Ich kann ja noch denken und reden, sprechen, du, du kannst mich ja noch hören.“
Jana schwindelte. Sie rang verzweifelt nach Luft und Argumenten.
Sie konnte nicht tot sein!
„Das Auto hat dich überfahren. Ein Honda Prelude Baujahr 1999. Ich mag Autos“, nuschelte der Junge und hielt mit einem Mal einen kleinen roten Rennwagen in der Hand. Er setzte sich auf die Straße und zog den Wagen über den Asphalt.
„Ich bin nicht tot!“, rief Jana und sprang auf, „ wenn ich tot wäre, würde ich keinen Schmerz spüren!“
„Das ist die Erkenntnis. Außerdem bin ich hier. Du musst also tot sein, vom Auto überfahren“, sagte er zum roten Auto, seine Stimme voller kindlicher Überzeugung.
„Du bist nicht real, du bist ein Hirngespinst, ich erfinde dich nur, zur Kompensation des Schocks“, schrie Jana und hielt sich die Ohren zu.

Plötzlich stand ein junger Mann vor ihr und warf ihr das rote Auto zu. Leblos prallte es an Jana ab, die fassungslos auf den Bart im Gesicht des 20-Jährigen starrte.
„Ich, ich bin tot?“, fragte sie mit zitternder Stimme, ihre Knie knickten weg.
„Nein, nein, ich kann nicht tot sein, ich wollte doch noch alles, noch so viel machen.“
Ihre Finger rasten über den Asphalt, fieberhaft nach Halt suchend, doch sie fanden nur die Straße, nur dieses rote Auto. Dieses verdammte rote Auto, dieses Auto, das sie überfahren haben sollte, dieser dreiste Typ, der ihr erzählte, sie sei tot, dass sie ihre Familie heute Abend nicht sehen würde, nicht den 16. Geburtstag ihres Bruders feiern könnte, nicht ihr Abitur machen würde...
„Ich darf nicht tot sein!“, brüllte sie. Sie sprang auf mit wutverzerrter Miene und schleuderte das rote Auto auf den Unheilsverkünder.
Es streifte ihn nicht mal.
Jetzt schrie auch er: „ Dass du niemals studieren wirst, niemals den Abschluss deines Bruders sehen wirst, niemals heiraten kannst, niemals Kinder stillen wirst, deine Eltern nicht mehr zu Grabe tragen kannst! Das alles und noch viel mehr sage ich dir! Du bist tot. Dein Herz hat aufgehört zu schlagen. Alles, was du dir vorgenommen hast, wird nicht mehr geschehen, nicht mehr mit dir! Du bist tot! Verstehst du mich.“
Jana schluckte. So schnell die hässliche Fratze sein Gesicht verschlungen hatte, so schnell glätteten sich die Wogen wieder, wurden gütig stille Wasser.
Ihr wurde schwindelig und sie fasste sich an den Kopf. Sie spürte warmes, klebriges Blut, das ihren Arm hinablief.
„Aber wieso?“, fragte sie flüsternd, taumelnd auf ihre rote Hand starrend.
„Weil ein Auto dich überfahren hat, ein Honda Prelude. So ist es nun einmal, es musste nicht sein, aber nun ist es so gekommen, nun bin ich hier, um dich mitzunehmen.“
Er hielt ihr seine Hand hin.
„Aber, dann wäre mein Tod völlig sinnlos. Ich wäre umsonst, einfach so, ohne Sinn...“, stammelte sie.
„Nein, das war er nicht. Du wolltest die Katze retten, deshalb bist du auf die Straße gerannt.“
„Ja, genau“, sagte Jana plötzlich, und spürte Hoffnung durch ihre Adern pulsieren, „ ich habe die Katze gerettet, ich habe etwas Gutes getan, ich kann also nicht sterben, das wäre unfair. So läuft das nicht. Ich habe so viel Gutes schon getan. Wenn ich jetzt wegginge, dann würde das viele Menschen unglücklich machen.“
„Das stimmt.“
„Und, und wer soll jetzt auf die Nachbarskinder aufpassen? Du kannst mich also nicht mitnehmen. Bitte, das kannst du nicht machen. Wenn ich nicht da wäre, hätten meine Eltern sich nie das große Haus gekauft und mein Bruder hätte nie die 8. Klasse geschafft, wenn ich ihm nicht geholfen hätte, und Fiona wäre nie mit ihrem Freund zusammengekommen und Vanessa hätte nie die Drei in Englisch geschafft.“

Und plötzlich brachen die Erinnerungen und rollten über sie hinweg, die Tränen über ihren Wangen. Sie spürte eine warme Hand auf ihrem Rücken, ein älterer Herr stand neben ihr, sein weißer Bart war säuberlich gestutzt, seine Hand fuhr Trost spendend auf und nieder.
„Das ist wahr. Du begreifst nicht − noch nicht −, wie wichtig du warst und bist, vor allem für deine Eltern. Sie sind an dir gewachsen, reifer geworden, zusammengewachsen, haben die tiefe Liebe gespürt, die nur das Kinderlachen oder die Tränen der Tochter gebären können. Erinnerst du dich an euren Urlaub in Frankreich? Du warst sechs, und deine Mutter sah dir beim Spielen im Sand zu. Ich habe alles richtig gemacht, dachte sie. Oder als du mit deinem Zeugnis nach Hause kamst, da war sie stolz auf dich. Oder als ihr im Garten gearbeitet habt, vergangenen Herbst, alle zusammen, da scherzten deine Eltern mit dir und dachten, wir haben ein gutes Leben. Damit hast du sie glücklich gemacht. Und nicht nur sie...“
Er stockte und richtete seinen Blick auf die Straße.

„Da kommt der Notarzt“, bemerkte Jana tonlos, die Trauer hatte ihre Stimme beinahe verschluckt.
„Er kommt zu spät. Ich bin der einzige, der sich deiner annehmen kann. Kommst du mit mir?“
Und auf einmal stand wieder der kleine Junge vor ihr, nahm ihre kalte, rote Hand in seine kindlich warme.
Jana sah den Krankenwagen halten, spürte den Grip der Reifen, als der Wagen wenige Zentimeter vor ihr zum Stehen kam. Die Männer liefen an ihr vorbei, ihr Atem striff sie.
„Werde ich meine Eltern, meine Familie, meine Freunde noch sehen?“
Der junge Mann nickte: „Du musst für sie da sein, sie trösten, es wird schwer für sie werden.“
Jana sah, wie der Notarzt den Kopf schüttelte und die Sanitäter begannen ihre Sachen einzuräumen. Sie wandte sich ab.
Der ältere Herr legte ihr seine Hand auf die Schulter, schob sie mit sanftem Druck fort.
„Sie werden dich vermissen.“

Kirchentexte … oder kirchliche Texte …?

communauten


Im Rahmen des Projekts 'Stadtgeschichten' schrieben die Jugendlichen der Schreibwerkstatt des Antonianums am vergangenen Freitag Geschichten in der Langfördener Kirche. Das Schreiben an ungewöhnlichen Orten gehört zu den wichtigen Formen in der Schreibwerkstatt und bringt stets besondere Ergebnisse.

Das Projekt „Stadtgeschichten“ entspricht dem von der Stiftung Niedersachsen ausgelobten Preis „Communauten“, der in Zusammenarbeit mit dem Museum im Zeughaus Vechta und der Tourist-Information zu einem literarischen Stadtführer führen soll (siehe auch unter www.communauten.org unter Vechta).

Am kommenden Freitag trifft sich die Schreibwerkstatt im Geest-Verlag, der bei diesem Projekt ebenfalls Kooperationspartner ist. Dort wird neben der Lesung der geschriebenen Texte und einer Verlagsführung auch die Planung für ein Buchprojekt im nächsten Jahr intensiviert werden.

Luisa Chilinski: Spätsommer

SPÄTSOMMER
ist die wahre Natur!
wilder Ausklang
der Wärme
ruhiges Tosen
der Farben

morgens umhüllt und
abends vergoldet
gewärmte Kühle
im offenen Abschied.

Besiegt die Hitze,
das Feuer verglüht
in einer Flut von Frische
jeden Morgen erneut.

der Waldbach fließt schnell!

Traute (für Traute Lafrenz)

kleine weiße Rose
des Nordens
keiner kennt dich

wie die andere
die alle kennen
hast du dich
getraut

wie die andere
nach der sie
Schulen benamen
hast du geschrieben
Worte und Taten
vertrieben

keiner kennt dich
du hast Pech
überlebt

Tale Ulbrich: Erklimmen

Das dunkel einfallende Licht erschwert ihre Blickweite. Es erfordert die mechanisierten Bewegungen, die ihr einerseits schwer fallen, die sie anderseits nachahmt, die sie nicht beherrscht. Sie ist nicht der Mensch, der aufgibt und zu stolz, um zu begreifen, dass sie alleine nie an dem einen Ziel, ihr vor Augen, ankommen wird. Sie stolpert, fällt, erhebt sich, rennt, stolpert und fällt. Sie steht auf, unwissend wo sie ist, ob sie angekommen ist, welche Entfernung ihr bleibt, auch welche Zeit tickt. Ihr Knöchel ist angeschwollen. Ein verdrehtes Glied gefährdet ihr Gleichgewicht, nur schleppend können ihre Beine das Balancieren tragen. Hilflos rennt und wieder stürzt sie zu Boden. Stolz war sie, auf das was sie schaffen konnte, dass sie sich beweisen konnte, ohne Zuneigung. Hilflos muss ihr Körper mit dem Dreck verschmelzen den anderen verursachen. Eine erste Plattform hatte sie nun zwar stolpernd erreicht, doch Meilensteine drängten sich wir Türme vor ihre großen Augen. Ihr Knöchel schmerzte tüchtig. Ihr Verstand war verblendet, übertönt von instinktivem Körpergefühl. Sie räkelt sich auf. Stützend verfolgt sie nun mit der starren Hand das kalte, runde Geländer. Geführt erreicht sie die nächste Stufe. Neuer Mut sprudelt, sie rennt, stolpert, fällt nicht, rennt, fällt doch. Liegend nimmt sie die vielen anderen Knöchel wahr, sie schweifen an ihr vorbei, andere stolzieren. Es sind die Massen, die einen Fuß vor den anderen setzten können. Ihr Herzblut pocht. Sie kann die Arbeit der Herzen derjenigen, die über sie gehen, nicht hören, nicht fühlen. Kein Zeichen von Anstrengung kann je wahrgenommen werden. Füße trampeln, treten, verschwinden, spurlos. Die Masse rennt, sie stolpert. Die Masse läuft, sie fällt. Die Masse erreicht das Ziel, sie bleibt auf vorletzter Strecke liegen. Für sie war die Kraft hier vorbei, die anderen feierten das Ziel, stolz. Während sie liegt, bringt das Ziel die Massen bergauf. Sie rühren sich, ihr bleibt das Stolpern bergab.

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