Luisa M. Chilinski: James Mortis

Ein beeindruckendes Antikriegsgedicht von Luisa Maureen Chilinski steht heute auf der Homepage des Geest-Verlags: James Mortis

http://www.geest-verlag.de/audio/luisa-maureen-chilinski-james-mortis-jugendliche-melden-sich-zu-wort-3

James Mortis

Schweißnassgebadet aufgewacht,
erneut geträumt, erneut gestorben:
James Mortis fällt, sein Kopf schlägt auf,
als schwarzer Regen ihn bedeckt.

Jeden Morgen, jeden Abend
tief verloren, Soldat James Mortis,
wenn seine Kellertür sich schließt.

Ach, wie war der Tag noch damals,
als Feuer fern und Leid ihm fremd.
Menschen sich zufrieden liebten,
Vergnügen spät erkannten Werts.

Sie kamen als Pulk, sie stürmten im Wahn,
getrimmte Meute verschluckte den Tag.
Aus staubiger Asche Polizei drängte an,
verstörte mit blut’gen Waffen das Land!

Jetzt kämpft James Mortis in seiner Welt,
träumt von der Kugel in seinem Herzen,
geteiltes Leben, verlor’nes Leben,
zersplitterte Scherben,
sucht Splitter täglich im Schlaf.

James Mortis, James Mortis,
oh, deine Blumen sind welk,
komm ans Licht und kauf’ neue,
säe neu doch dein Beet –

das Loch deiner Brust wartet lang schon auf Grün

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