Tale Ulbrich: Erklimmen

Das dunkel einfallende Licht erschwert ihre Blickweite. Es erfordert die mechanisierten Bewegungen, die ihr einerseits schwer fallen, die sie anderseits nachahmt, die sie nicht beherrscht. Sie ist nicht der Mensch, der aufgibt und zu stolz, um zu begreifen, dass sie alleine nie an dem einen Ziel, ihr vor Augen, ankommen wird. Sie stolpert, fällt, erhebt sich, rennt, stolpert und fällt. Sie steht auf, unwissend wo sie ist, ob sie angekommen ist, welche Entfernung ihr bleibt, auch welche Zeit tickt. Ihr Knöchel ist angeschwollen. Ein verdrehtes Glied gefährdet ihr Gleichgewicht, nur schleppend können ihre Beine das Balancieren tragen. Hilflos rennt und wieder stürzt sie zu Boden. Stolz war sie, auf das was sie schaffen konnte, dass sie sich beweisen konnte, ohne Zuneigung. Hilflos muss ihr Körper mit dem Dreck verschmelzen den anderen verursachen. Eine erste Plattform hatte sie nun zwar stolpernd erreicht, doch Meilensteine drängten sich wir Türme vor ihre großen Augen. Ihr Knöchel schmerzte tüchtig. Ihr Verstand war verblendet, übertönt von instinktivem Körpergefühl. Sie räkelt sich auf. Stützend verfolgt sie nun mit der starren Hand das kalte, runde Geländer. Geführt erreicht sie die nächste Stufe. Neuer Mut sprudelt, sie rennt, stolpert, fällt nicht, rennt, fällt doch. Liegend nimmt sie die vielen anderen Knöchel wahr, sie schweifen an ihr vorbei, andere stolzieren. Es sind die Massen, die einen Fuß vor den anderen setzten können. Ihr Herzblut pocht. Sie kann die Arbeit der Herzen derjenigen, die über sie gehen, nicht hören, nicht fühlen. Kein Zeichen von Anstrengung kann je wahrgenommen werden. Füße trampeln, treten, verschwinden, spurlos. Die Masse rennt, sie stolpert. Die Masse läuft, sie fällt. Die Masse erreicht das Ziel, sie bleibt auf vorletzter Strecke liegen. Für sie war die Kraft hier vorbei, die anderen feierten das Ziel, stolz. Während sie liegt, bringt das Ziel die Massen bergauf. Sie rühren sich, ihr bleibt das Stolpern bergab.

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