Kim Weißer: Diskoschlampe

ontag, 25.01.2010 21:25, Autor: ]

Hastig nahm sie ihre Verzehrkarte entgegen und versteckte sie schnell in ihrem BH.
Das Licht vibrierte um sie herum, flutete durch die Eingangshalle.
Sie merkte, wie sich ihre Muskeln langsam entspannten und ihre Schultern etwas hinuntersanken.
Spiegel dienten als Wandverkleidung.
Die betrachtenden Augen ihres Abbildes glitten über ihren Körper.
Ihr weißer Rock reichte bis über das Muttermal auf dem Oberschenkel, ihre Stiefel kletterten bis zum Knie.
Das Bauchnabelpiercing blitzte wie ihre Ohrringe und die Kette, die bis in den Ausschnitt fiel.
Die Verzehrkarte fiel im Push-Up nicht weiter auf.
„Geil“, rief ein schon in die Disko Torkelnder.
Sie drehte sich um, das zuckende Licht auf ihrem misstrauischen Gesicht ließ sie wie im schleudernden Sturm, im Gewitter erscheinen.
Sie atmete tief ein, so viele Menschen, ihre Mädels winkten.
„Jessi, komm. Wooohooo!“, schnell lief sie zu ihrer Freundin.
Als sie die Main Area betraten, schlug ihnen der Wall aus Musik entgegen, die Bässe traten gegen ihr Herz.
„Eeeeyyy, Jessica! Sexy Chics. Kommt rüber, ham grad drei Flaschen Wodka offen.“
Ein Bekannter gestikulierte angetrunken durch die künstliche Luft.
Der Lasernebel umhüllte sie, als sie die Jungs begrüßten.
Sie kannte alle bis auf den letzten, den sie in die Arme schloss. Sein Aftershave roch intensiv.
Ihre Freundin bewegte sich schon zum Beat.
Doch Jessica tanzte nicht, ihre Muskeln zu verkrampft.
Der Wodka floss ihre Kehle hinunter, sie schüttelte sich. Ein letzter Tropfen stürzte ihre Haut hinab und zog die Spur der Nacht.
Sie grinste und nahm noch einen Schluck.
Die leere Flasche gab sie der Bedienung zurück.
Für einen Moment berührten sich ihre Duftwelten und der Kosmos außerhalb des zuckenden Nebels stürzte auf Jessica ein.
Parfüm ihrer Mutter. Vor dem Fernseher. Kaltes Licht zuckt über die Masse auf dem Sofa.
Müde Augen, flackernde Gleichgültigkeit, wenn Jessica geht, schon wieder, egal wann sie wiederkommt. Ob.
Sie schüttelte den Kopf, nasser Hund im Regen, und legte den Arm um die Hüfte des Unbekannten. Sein Aftershave hielt sie fest.
Sie nahm noch einen Schluck aus der anderen Wodkaflasche.
Ihr wurde warm, heiß, endlich war ihre Kleidung nicht mehr unangemessen. Ihre Freundin zog sie auf die Tanzfläche.
Der Beat rauschte durch ihren Körper, explodierte in ihrem Kopf, wie das Licht darüber.
Sie riss die Hände in die Höhe, „Woooh“, streckte sich sexy der Decke entgegen, strömte mit dem Bass.
Sie ahnte, dass alle Jungs im Umkreis sie geil fanden, haben wollten.
Sie tanzte in Richtung Boden, in ihrem Kopf taumelten Musik und Licht durcheinander.
Plötzlich umhüllte sie wieder das Aftershave, der Typ tanzte sie an, legte seine Hände auf ihre Oberschenkel.
Er suchte die Spur der Nacht, den Wodka an ihrem Hals, ihr wurde heiß.
Heute Nacht würde sie geliebt werden.
Rausch aus Wodka, flackernden Herzen und rasenden Beats.

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