Tale Inger Ulbrich: Grenze - Ich - Grenze

Grenze - Ich - Grenze

Die ewige Freiheit des Menschen, die unantastbare Würde, was sind das für Grundsätze, die niemals eingehalten werden oder eingehalten werden können? Unmöglich. Ich lebe; doch dieses Leben ist nicht meines, ich spreche nie von meinem Leben, dieses Leben eines Mädchens ist fremdbestimmt. Grenzen, geschlossene Grenzen in einem System ohne jegliche Hoffnung auf ein endliches Ende. Wie eng ich sitze, stehe, lebe. Diese Enge ist unglaublich, sie reicht weit, sehr weit. Sie geht bis ins kleinste Detail, kontrolliert was ich tue, was mich veranlasst Dinge zu tun. Ich sehe immer nur diese eine Welt, in der ich Freunde habe, Familie, ein Zimmer, ein Auto, ein Boot, ein Buch, aber warum? Warum alles das, alles, das meine Umgebung bestimmt, mein Verhalten, das Verhalten einer Lebenden.
Meine Geburt war ein Bestimmtnis. Ich war ein Wunschkind. Eine gleichzeitige Grenze. Ich kann nichts sehen, fühle mich hilflos, ungewiss vor der Zukunft, unmittelbarem Wohlbefinden meiner Person und das der anderen. Das einzige, was mir bleibt, ist groß, ist weit, ist unantastbar, ist nicht da, für niemanden sichtbar. Es gehört mir nicht. Es hat praktisch keinen Sinn. Es ist nicht bestimmt, etwas, das selber sein kann, leben darf. Grenzenloses Eigenleben, die Weite, die ich mir vorstelle, aber trotzdem nicht wünsche.

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