Daniela Heyng: Fräulein Tod

Vom Westen her zieht Nebel auf,
die Menschen, die voll Angst und Not,
unberührt vom Lebenslauf,
einsam warten auf den Tod.

Der zarte Duft der weißen Rose,
bis hinauf ins Firmament,
verwirbelt durch die Windeshose,
wo der Sterne Leuchten brennt.

Fräulein Tod, im Klang von Schellen,
durchmisst den Garten schreitend, kalt.
Der Teich gefriert in sanften Wellen,
der Tau zu Eis sich wirbelnd ballt.

Am Waldesrand, dem Rosenschloss,
ein Junge zitternd, ängstlich, klein,
erwartet er den schwarzen Tross,
doch Todes Augen trügt kein Schein.

Die schwarze Hand des Fräulein Tod
fasst das Kinn des Jungen fest,
schimmernd, hart wie Steine, Schrot,
ihr Augenschlag ein warnend Test.

„Angst?“, fragt sie mit sanften Stimmen
und lächelt voller Grausamkeit,
die schwarzen Klauenhände trimmen
auf zitternde Gehorsamkeit.

Der Junge schluchzt ergeben auf,
das Blut ziert seine Kehle rot,
gierig folgt sie seinem Lauf,
das schwarz-verbrannte Fräulein Tod.

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